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Laschet in der Nervenkrise

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
natürlich braucht man in der jetzigen Lage ein robustes Nervenkostüm, davon kann der CDU-Kanzlerkandidat (doch, doch) Armin Laschet ein Lied singen. Dass Inhalte der Koalitions-Sondierungsgespräche mit der FDP und den Grünen von interessierter Seite umgehend durchgestochen wurden, hätte einem Verhandlungsführer in labiler Verfassung dem Wahnsinn oder zumindest der Tobsucht verfallen lassen – Laschet dagegen lächelt alles weg und inthronisiert kurz darauf offenkundig bester Laune seinen Nachfolger, den Verkehrsminister Hendrik Wüst, als NRW-Ministerpräsidenten. Was ihm, nach allem, was man so hört, auch keine Freude bereitet hat.
Unterdessen scheinen Laschets Felle beziehungsweise seine Politikerkarriere endgültig den Bach runterzugehen: Am Mittwochvormittag haben sich die Grünen für Dreier-Gespräche mit SPD, FDP und ihnen selbst vorgeschlagen, auch FDP-Chef Lindner hat sich mit seiner Partei der Ampel genähert: „Wir haben den Vorschlag eines Gesprächs mit der SPD angenommen“, sagte der FDP-Vorsitzende am Mittwoch – sie sollen schon am Donnerstag beginnen. Was aus Sicht von Laschet bedeutet: Für Jamaika steht die Ampel auf dunkelgelb. Jetzt kann er nur noch hoffen, dass die potentiellen Ampel-Koalitionäre sich partout nicht einigen können – dann wäre die Union wieder im Spiel. Lindner immerhin hat schon mitgeteilt, dass Jamaika „eine inhaltlich tragfähige Option“, wie die RND-Kollegen berichten. Hm. Mal sehen, wie sich Laschets Stimmung in naher Zukunft entwickelt, seine Lage könnte nervenaufreibend bleiben.
Gute Nerven brauchen auch Konzertveranstalter wie Hannover Concerts – sie sehen sich, zumindest in Niedersachsen, von der Politik dazu genötigt, bei Einlasskontrollen auf 2G umzustellen, wie meine Kollegen Christoph Hage und Stefan Gohlisch berichten. „Uns wird der Schwarze Peter zugeschoben“, beschwert sich Nico Röger, geschäftsführender Gesellschafter von Hannover Concerts, „wir dürfen uns dann noch zurecht den Unmut und den Shitstorm unseres Publikums abholen.“ Aus wirtschaftlichen Gründen sei es kaum möglich, „Veranstaltungen mit der 3G-Regelung durchzuführen“. Die aktuelle Verordnung der Landesregierung zwinge Veranstalter indirekt, auf 2G umzustellen. „Diesem Druck der Politik beugt sich zähneknirschend nun auch Hannover Concerts“, sagt Röger. Nun ja, die einfachste Lösung für alle Beteiligten wäre es, wenn die Impfverweigerer zur Vernunft kämen und sich impfen lassen würden. Das wäre nicht nur im Interesse der Sicherheit aller anderen, sondern auch eine Möglichkeit, schneller zur Normalität – etwa zu unbeschränkten und kontrollfreien Konzertbesuchen – zurückzukehren. Und wer das für abstruses Gefasel hält, dem sei mit den Worten im Kommentar meines Kulturkollegen Henning Queren gesagt: „Wenn jetzt wieder Proteste kommen: Wir leben schließlich inmitten einer noch lange nicht ausgestandenen, gefährlichen Pandemie, Herrgottnochmal.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Nebenbei steht übrigens auch noch die Grippesaison vor der Tür, die einem den letzten Nerv rauben könnte. Und: Die Grippeviren könnten umso heftiger über und herfallen, weil die Grippesaison im vergangenen Jahr wegen des Lockdowns und der Maskenpflicht praktisch ausgefallen ist. Warum das so ist und welche Folgen das haben könnte, hat der MHH-Lungenforscher Tobias Welte meiner Kollegin Petra Rückerl erklärt. Weltes dringender Rat auch zur Grippevorbeugung: „Je mehr Grippeimpfungen jetzt im Herbst, desto geringer wird das Risiko.“
Das wäre die nervenschonende Lösung. Mal sehen, ob und wie das klappt.
Bleiben Sie stabil – und schenken Sie sich einen möglichst entspannten Tag.
Herzlichst,
Michael Lange
Redakteur
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