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Hannover führt 2G-Regel ein

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es gibt Tage, da fällt es nicht so leicht, einen guten Morgen zu wünschen. Heute ist leider einer von diesen. Das RKI meldet mehr als 50.000 Corona-Neuinfektion an einem Tag - das gab es in Deutschland noch nie während dieser langen und zähen Pandemie. Die Inzidenz liegt mittlerweile bei 250 - und die Krankenhausgesellschaft kann nur noch feststellen, dass eine Überlastung der Intensivstationen höchstwahrscheinlich nicht mehr abzuwenden ist.
Das ist alles alles andere als gut. Ja, das schlägt uns aufs Gemüt - und eigentlich können oder wollen wir das alles auch gar nicht mehr hören. Aber schlechte Laune oder gar Ignoranz sind insbesondere in dieser virulenten Lage nun mal kein Heilmittel. Was dagegen erwiesenermaßen hilft, sind die Impfungen. Umso unverständlicher, dass die Quote in unserem Land in Anbetracht der brachialen Auswirkungen der Pandemie auf unsere Gesellschaft immer noch verhältnismäßig niedrig ist. 
Zugegeben, hundertprozentige Sicherheit kann der Piks (bzw. die zwei oder drei Pikse) nicht garantieren - aber die Faktenlage ist so klar, dass die Abwägung zwischen Risiko und Nutzen eigentlich nur eine Antwort zulässt: Machen! 
Oder machen wir es noch greifbarer mit einem in Deutschland immer beliebten Vergleich mit dem Straßenverkehr: Innerorts haben wir ein Tempolimit von 50 oder gar 30, weil das deutlich sicherer für Kinder, Fußgänger, Radfahrer, eigentlich alle ist. Dennoch passieren auch mit reduzierter Geschwindigkeit immer wieder schreckliche Unfälle. Kennen Sie jemanden, der deswegen sagt: “Das hilft ja nicht zu 100 Prozent, dann kann ich da auch 250 fahren …”? Nein, wir auch nicht.
Beim Thema Impfen aber wird das Gaspedal der Unvernunft zum Teil sehr kräftig durchgetreten. Es wird milliardenfach geimpft, engmaschig kontrolliert und die Wirkungen beobachtet. Auf den Stationen liegen aber nicht Impfopfer, sondern Covidpatienten. Auf dem Bauch. Auch die Belastbarkeit des Klinikpersonals hat trotz zum Teil enorm hoher Hilfs- und Opferbereitschaft Grenzen, die vielen ungeimpften Patienten sind dabei sicher nicht motivationsfördernd. Bayerns starker Mann Markus Söder(CSU) - der für sein Bundesland heute den Katastrophenfall ausrufen musste - hat bereits wahrgenommen: „In den Krankenhäusern droht tatsächlich eine Konkurrenzsituation wie noch nie: zwischen ungeimpften Covid-Patienten sowie geimpften Krebs-, Schlaganfall- und Herzpatienten. Das wird die Gesellschaft weiter extrem spalten.“
Da ist es dann auch mal irgendwann gut mit der Dialogbereitschaft. Im niedersächsischen Landtag hat die SPD bereits angemahnt, über eine Impflicht für alle ernsthaft nachzudenken, die CDU ist gar schon bei “wird kommen müssen”. Eine große Mehrheit der Deutschen befürwortet mittlerweile eine Corona-Impfpflicht zumindest für bestimmte Berufsgruppen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 44 Prozent sogar dafür aus, alle Menschen in Deutschland zur Immunisierung gegen das gefährliche Virus zu verpflichten. Weitere 24 Prozent wollen die Pflicht auf einzelne Berufsgruppen wie Pflegekräfte oder Krankenhauspersonal beschränken. 27 Prozent sind generell dagegen. Wir halten Sie natürlich über diese Debatte auf dem Laufenden.
Die Region Hannover hat auf die Infektionslage bereits reagiert, ab morgen gelten neue Regeln: 2G wird weitgehend zur Pflicht - ins Restaurant oder Kino darf dann nur noch, wer geimpft oder genesen ist. Man wolle alles tun, um bayerische oder sächsische Verhältnisse bei den Inzidenz-Werten zu verhindern, so der neue Regionspräsident Steffen Krach. Sein eindringlicher Appell: “Das ist unsere letzte Chance, um weitere Einschränkungen zu verhindern.” 
Auch der SPD-Mann hatte im Gespräch mit meiner Kollegin Vera König schlechte Laune: “Diese Verantwortungslosigkeit der Ungeimpften geht mir gehörig auf den Senkel.” Eine Pandemie sei “eben keine Privatsache. Ungeimpfte werden nun in den kommenden Wochen und Monaten die Intensivstationen massenhaft belegen, und dafür wird es wieder Absagen von anderen notwendigen Operationen geben müssen. Diese Verantwortungslosigkeit der Ungeimpften schadet vielen Menschen, die dringend einen Krankenhaus-Aufenthalt zur Genesung anderer Krankheiten brauchen. Das ist ein gesundheitlicher und gesellschaftlicher Schaden, der immens ist.”
Und damit genug für heute: Lassen Sie sich impfen - und wenn Sie es schon getan haben: Machen Sie in Gesprächen und Diskussionen am Arbeitsplatz oder in der Familie und Nachbarschaft Werbung für den Piks! Damit das mit dem “Guten Morgen” möglichst schnell wieder einfacher wird …
Bleiben Sie gesund und uns gewogen
Herzlichst
Sven Holle
Stv. Chefredakteur
2G in Hannover

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